Fabelwesen

Für Fabelwesen gibt es im Japanischen zahlreiche Bezeichnungen wie beispielsweise genjū (幻獣) oder kaijū (怪獣】). Auch das Wort yōkai (妖怪, wörtlich "unheimliche Erscheinung, Ungeheuer, Monster, Spuk") bezeichnet im Allgemeinen Fabelwesen, die sowohl in der Religion als auch vor allem in der Mythologie und dem Volkstum vorkommen. Anders herum können jedoch ebenfalls Gottheiten als yōkai bezeichnet werden.
Yōkai gehen auf die ki (鬼) zurück, was heute meist als "Dämon" übersetzt wird, früher jedoch alle Geistwesen, Dämonen, Monster und niedere Götter bezeichnete. Deshalb umfassen yōkai vor allem unheimliche Kreaturen. Diese zeigen oftmals menschliche Züge, besitzen jedoch übernatürliche Kräfte. In der Gegenwart werden sie jedoch zunehmend romantisiert und finden Eingang in die moderne Popkultur, in der sie immer beliebter werden. Man denke nur einmal an das weite Spektrum der Anime und Manga, in der Dämonen, Fuchswesen, Schneefrauen und andere Kreaturen zuhauf auftreten. Ein gutes Beispiel hierfür ist der Anime und Manga Inu Yasha, der von Dämonen (yōkai) und Halbdämonen, han'yō (半妖), nur so wimmelt. Unterschieden wird bei den yōkai zum Beispiel zwischen tierischen, menschlichen, dämonischen, materiellen und anderen Arten. Im Bereich der Fauna werden insbesondere Katzen, Füchse und Dachse mit abergläubischer Scheu und Ehrfurcht betrachtet. Man sagt ihnen nach menschliche Gestalt annehmen zu können, womit sie die Menschen verhexen, was häufig zu (unglücklichen) Liebesbeziehungen führt. Als besonders unheimliche Tiere stehen sie sowohl für gute als auch für böse Zwecke.

Einige Beispiele

Kamaitachi (鎌鼬)
Die Bezeichnung besteht aus den Wörtern für "Sichel" (kama) und "Wiesel" (itachi) und wird auch als "ein aus dem Nichts kommender Schnitt" übersetzt. Gebräuchlicher ist jedoch die wörtliche Übersetzung als "Sichelwiesel". In der japanischen Mythologie sind Kama-itachi bekannte Monster, die meistens in Form dreier Wiesel mit scharfen Klauen auftreten. Aufgrund der außergewöhnlichen Schnelligkeit des Kamaitachi gibt es auch andere Erscheinungsformen, da geglaubt wird, dass niemand je wirklich eines gesehen hat. Die Beschreibung als Wiesel ist jedoch seit dem 18. Jahrhundert üblich. Sie erscheinen als Wirbelwind und greifen so Passanten an, indem sie ihre Haut verletzen. Obwohl sie stets aggressiv sind, ist das Ausmaß des Angriffs unterschiedlich. Einigen Erzählungen zufolge greift das erste Wiesel zuerst an, das Zweite zerschneidet die Haut, während das Dritte eine Medizin aufträgt (oder über die Wunde leckt), die den Schmerz verhindert und die Blutung stoppt. In manchen Geschichten heißt es, dass die Verletzten so langsam zu Grunde gehen, in anderen fliehen die Menschen oder werden vollständig geheilt. Da Kamaitachi häufig in kalten Regionen auftreten, liegt die Vermutung nahe, dass es sich bei den Schnitten um von der Kälte verursachte Risse der trockenen Haut handelt. Ihnen werden außerdem Fähigkeiten wie das Erzeugen von Illusionen sowie Feuer oder Schneefall nachgesagt. Generell werden sie häufig mit Katastrophen aller Art in Verbindung gemacht.

Kappa (河童)
Kappa, wörtlich "Flusskind", sind japanische Flusskobolde, die in Flüssen, Sümpfen, Teichen o.ä. leben. Sie bevorzugen Süßwasser, das Hauptverbreitungsgebiet ist Kyūshū. Es handelt sich um kindsgroße Mischwesen, die oft frosch- oder schildkrötenartig oder auch otterartig beschrieben werden. Weit verbreitet ist auch die Vorstellung von einem affenähnlich aussehenden Wesen. Es hat Schwimmhäute und entweder Schuppen oder Haare, die übel riechen und sich schleimig anfühlen. Farblich ist es rötlich (Nordostjapan) oder grünbläulich (Kyūshū und Westjapan). Sie können die Farbe auch in schwarz, gelblich oder rosa wechseln. Fast immer haben Kappa einen Rückenschild und einen schnabelförmigen Mund. Seine runden Augen sind gelb. Auf seinem Kopf befindet sich eine tellerartige Delle (sara), in der sich stets Wasser seines Heimatgewässers befinden muss, damit der kappa nicht seine magische Kraft verliert und erstarrt. Am Rumpf besitzt er ein etwa 5cm langes Schwänzchen. Seine Gliedmaßen sind allgemein sehr beweglich. Kappa besitzen auch die Fähigkeit der Verwandlung und benutzen diese, um Menschen auszutricksen. Sie können weiterhin Gedanken lesen und sprechen. Der Kappa ist sehr um den Schutz seines Heimatgewässers und dessen Bewohner besorgt, weswegen er Menschen oft nicht leiden kann und ihnen gegenüber eher unfreundlich gesinnt ist. Sie spielen ihnen zum Beispiel Streiche, stiften Streit oder vergewaltigen Frauen und ertränken Menschen. Es wird ihnen auch nachgesagt Rinder oder Pferde ins Wasser zu zerren, um sich von ihnen zu ernähren. Darstellungen von Kappa finden sich seit dem 8. Jahrhundert, vor allem aber seit der Edo-Zeit (1600-1868). Im Shintō werden sie zu den Wassergottheiten sujin (水神) gezählt.
Kappa werden als verantwortungsvolle und höfliche Wesen dargestellt, deren Absichten man durch Verbeugen entgehen kann. Verbeugt man sich vor einem kappa, so muss dieser die Verbeugung erwiedern, wodurch er jedoch sein Kopfwasser verliert und in sein Heimatgewässer zurückkehren muss. Auf diese Weise lässt sich auch ein Ringkampf, die Lieblingssportart der Kappa, mit den unmenschlich starken Kreaturen gewinnen. Eine weitere Schwäche ist Metall, vornehmlich Eisen, sowie Lärm oder Spucke. Wenn man sie und ihren Lebensraum respektiert, zeigen sie sich jedoch als ausgesprochen gutmütig und werden von daher in manchen Fischerdörfern noch heute als Schutzgeister verehrt. Sie spenden Schutz und sorgen für guten Fischfang, wofür sie mit kleinen Opfergaben belohnt werden. Besonders beliebt sind Gurken, wovon sich auch der Name der Sushi mit Gurkenfüllung, kappa maki, ableitet. Heute sind kappa besonders als niedliche Kreatur bekannt, die zu Werbezwecken benutzt wird und als Symbol für sauberes Wasser gilt. Auch in Anime, Manga und Spielen erscheinen sie zahlreich. Verbreitet ist ebenfalls die Kappa-Bessesenheit (kappa tsuki), bei der ein Bessesener Obszönitäten und Flüche von sich gibt, Menschen sexuell belästigt und unfähig sowie unwillig zur Arbeit ist.

Kitsune (狐)
Kitsune ist unter anderem das japanische Wort für Fuchs, einem Tier, dem seit dem 5. Jahrhundert in Japan Zauberkräfte nachgesagt wurden. Schon das Nihon shoki ("Annalen Japans") berichtet von einem weißen Fuchs als glücksverheißendes Omen. Dabei wird unterschieden zwischen gewöhnlichen Füchsen (zenko 善狐) und mächtigen Fuchsgeistern oder auch Wildfüchsen (yako 野狐). Sie sind Inhalt von Legenden und Aberglauben und gelten beispielsweise als Boten des Erntegottes Inari - sie symbolisieren so auch Fruchtbarkeit. Die Leibspeise des Kitsune ist süßer Reis. Im Bereich der Onomatopoesie wird zwischen einem bissigen kan kan und einem freundlichen kon kon als Lautmalerei für das Gebell eines Fuches unterschieden.
Fuchsgeister sind wie der tanuki als Trickser bekannt, die sowohl gut als auch böse sein können, jedoch stets zu ihrem eigenen Vorteil handeln. Beliebte Opfer der Kitsune sind buddhistische Mönche. Mit steigender Kraft kann der Fuchs dabei unterschiedliche Formen annehmen. Die Verwandlung in einen Menschen ist ihm ab einem Alter von fünfzig oder hundert Jahren möglich. Die Verwandlung soll stark erleichtert werden, wenn der Fuchs Knochen (möglichst einen Totenschädel) oder Wasserlinsenblätter über seinen Kopf hält. Als menschliche Frau verführt er gerne Männer und heiratet diese, um seinen Vorteil daraus zu ziehen oder anschließend ihm und der gesamten Familie unmerklich die Energie auszusaugen und sie so krank zu machen. Enttarnt werden kann er durch Menschen, die seinen nicht versteckbaren Fuchsschwanz entdecken, oder Hunde. Sie haben jedoch auch eine gute Seite und bieten Schutz gegen fremde Dämonen, weshalb im Nordosten eines Hauses Fuchsstatuen angebracht wurden.
Ihm wird weiterhin nachgesagt, dass er alle 100 Jahre seinen Schwanz spaltet und so seine Kraft verdoppelt bis er mit 1000 Jahren zum berühmten "neunschwänzigen Fuchs" wird. Ausgestattet mit einem weißen Pelz und neun Schwänzen, setzt der Fuchs nun seine Kraft ausschließlich zum Wohle der Menschen ein. Kitsune sind auch mit Feuer und Illusionen verbunden, weshalb Irrlichter als "Fuchsfeuer" kitsunebi (狐火) bezeichnet werden. Auch Fälle von "Fuchsbessenheit" (kitsune tsuki) sind heute noch beliebte Topoi. In Westjapan kennt man zudem auch "Fuchsbesitzer" (kitsune-mochi), die Füchse halten, um sich an deren übernatürlichen Kräften zu bedienen.

Oni (鬼)
Oni sind beliebte Figuren in der japanischen Mythologie und bezeichnen wilde, gehörnte Dämonen oder Teufel. Die Vorstellung reicht von dummen, ogerähnlichen Figuren bis hin zu abgrundtief bösen Figuren. Manchmal erscheint ihr Charakter auch zwiespältig und komplex - mit einer wohlwollenden, schützenden Seite und einer dämonischen, bösen Seite. Sie werden meist als riesige, hässliche Figuren mit scharfen Klauen, wildem Haar und ein bis zwei Hörnern dargestellt. Obwohl sie den Menschen ähneln, haben sie oft eine ungerade Anzahl von Augen oder Gliedmaßen. Manchmal haben sie den Kopf eines Pferdes oder Ochsen. Ihre Haut ist häufig rot oder blau, es sind aber auch andere Farben möglich. Als Kleidung tragen sie Tierhäute, insbesondere Tigerhäute, und in ihren Händen schwingen sie mächtige Eisenkeulen. Sie werden mit der Unbesiegbarkeit assoziiert und spielen gerne Fangen. Manche Oni können sogar fliegen. Es wird außerdem gesagt, dass besonders eifersüchtige oder traurige Frauen sich in Oni verwandeln.
Obwohl sie bis zum 13. Jahrhundert noch als eher gutmütig galten, bösartige Geister abwehrten und sogar Manifestationen von kami oder der Natur darstellten, überwiegt heute die Vorstellung der bösen Dämonen. Diese Vorstellung wird auch durch die Schreibung mit chinesischen Schriftzeichen, welche Teufel/ Dämon konnotieren, und der Assoziationen mit den verschiedenen buddhistischen Höllen begünstigt. Nichiren, ein buddhistischer Mönch und Reformer, glaubte, dass Oni Kriege, Erdbeben und sonstige Katastrophen hervorrufen. Noch heute werden Rituale abgehalten, um Oni von den Häusern der Menschen fernzuhalten und sie gelten unter Kinder als Schreckgespenst, ähnlich unserem "schwarzen Mann". Beim Vorfrühlingsanfangsfest setsubun (節分) am 03. oder 04. Februar werden Sojabohnen aus dem Haus geworfen und "Dämonen raus, Glück herein!" (鬼は外!福は内!) gerufen. Dämonen können auch durch die oni-yarabai Zeremonie, die jährlich stattfindet, vertrieben werden. Affenstatuen werden als Beschützer gegen oni angesehen. Dennoch gibt es heute auch noch Volksfeste (matsuri), bei denen Oni am Anfang einer Parade laufen um böse Einflüsse zu vertreiben.

Raijū (雷獣)
Raijū ist ein katzen-, fuchs-, wolf- oder wieselförmiges Wesen, das den Blitz selbst personifiziert. Das weitere Aussehen variiert. Manchmal besitzt es Flügel, ein oder mehrere Schwänze oder wird gar krabben- oder spinnenartig dargestellt. Sein Schrei klingt wie Donner, sein Körper ist von Blitzen umgeben. Es ist ebenso Begleiter der Shintō Gottheit Raijin (雷神) – der Gottheit des Blitzes, des Donners und des Sturms. Erwähnt wird das Blitzwesen erstmals in der Edo-Zeit (1600-1868).
Für gewöhnlich ist das Wesen harmlos, reagiert jedoch aggressiv bei Gewitter. Dann springen sie Bäume und andere Dinge an und hinterlassen Kratzspuren - das Holz soll anschließend gegen Zahnschmerzen helfen. Manchmal greifen sie von Bäumen aus auch Menschen an, wodurch sie als gefährlich und wild gelten. Dementsprechend sollte man sich bei Gewittern nicht unter Bäumen aufhalten. Raijū sollen eine Vorliebe für den menschlichen Bauchnabel haben und gerne dort hinein schlüpfen, um dort zu schlafen oder den Menschen zu verspeisen. Um dies zu vermeiden, sollte man sich bei Gewittern flach auf den Bauch legen. Wie man sieht, dienen Raijū also auch als Lehrmittel für das Verhalten bei Gewittern. Auch in zahlreichen Medien tauchen Raijū auf. So beispielsweise in den Anime Inu Yasha, Naruto, Digimon und mehr.

Schneefrau (yuki onna 雪女)
Die Schneefrau, auch yuki jorō oder Schneekönigin genannt, ist eine der wohl bekanntesten japanischen Mythenfiguren mit starkem Einfluss auf Literatur und Film, auch über die Grenzen Japans hinaus. Erzählungen über sie gibt es bereits ab dem 14. Jahrhundert. Sie wird als zierliche, betörend schöne Frau mit weiß-transparenter Haut und langem schwarzen Haar beschrieben, die vollkommen in weiß gekleidet (im Kimono) oder nackt ist und vor allem in verschneiten Nächten auftaucht, wo sie vor dem Schnee kaum sichtbar ist und keine Fußabdrücke hinterlässt. Mal wird sie als Botin des Windgottes, mal als Tochter des Berggottes beschrieben. Sie kann sich in Schnee oder Nebel verwandeln und personifiziert manchmal sogar den Schnee und den Winter selbst. Ihre zweite Erscheinungsform ist der gemeine Schneeball. Auch als Frau ist die yuki onna eiskalt, kann jedoch durchaus heiraten und Kinder kriegen.
Bis zum 18. Jahrhundert galten Schneefrauen vor allem als ausnahmslos böse Kreaturen, die in kalten, verschneiten Orten auf Honshū und im Nordwesten Japans vorkamen und Menschen in Schneegestöber lockten, wo sie erfroren. In anderen Geschichten warnen sie jedoch vor solchen Schneestürmen. Heute werden sie vor allem mit weiblicher Schönheit assoziiert, als Frauen, die Schneestürme und Nebel verursachen. Oft heißt es, sie verführen Männer oder entführen Kinder. In manchen Erzählungen erscheint sie mit einem Kind auf ihrem Arm und wird als Frau beschrieben, die während der Niederkunft gestorben ist. Ihr wird nachgesagt in Vollmondnächten oder aber dem Neujahr oder 15. Januar zu erscheinen und somit Menschen als Gottheit des neuen Jahres (toshigami 年神) zu besuchen.

Tanuki (狸)
Der Tanuki ist der Name und die mythische Variante des japanischen Marderhundes, auch Enok genannt. Dieser wird etwa 60cm groß, hat einen etwa 16cm langen Schwanz und wiegt um die 5kg. Seine Heimat liegt vor allem in Hokkaidō, Honshū, Shikoku und Kyūshū sowie mancherorts in Vorstadtgärten. Tanuki werden ähnlich wie kitsune als klassische Trickser beschrieben, die einem zunächst freundlichen, scherzhaften und sehr verfressenen Charakter besitzen. In den meisten Erzählungen erscheinen sie eher komisch als gefährlich. Ihre Bäuche sind dick und sie haben sehr große Hoden, die häufig mit Reichtum assoziiert und auch "Geldsäcke" genannt werden.
Tanuki sind Meister der Verwandlung und treten zum Beispiel als Sakeflaschen, Priester oder Mönche sowie Teekessel auf und spielen den Menschen listige Streiche. Sie stellen beispielsweise die satirische Darstellung eines buddhistischen Mönches dar, welcher dick ist und Geld hortet. Trotzdem bringen Tanuki auch Glück. Ihre wahre Gestalt kommt in Gegenwart eines Hundes zum Vorschein.
Seit dem 20. Jahrhundert werden Tanuki häufig mit Strohhut und Sakeflasche dargestellt. Sie stehen heute zum Beispiel für Intelligenz und Gerissenheit. Die wohl bekannteste Geschichte mit einem Tanuki heißt "Bumbuku Chagama" - sie handelt von einem Tanuki, der von einem Menschen aus einer Falle befreit wird und seinem Befreier diese Freundlichkeit vergütet.

Tsukumogami (付喪神)
Tsukumogami sind zum Leben erwachte Gegenstände mit übernatürlichen Kräften, deren magisches Entstehungsdatum meist der 100. Geburtstag ist. Geschichten über Tsukumogami gehen bis ins 10. Jahrhundert zurück. Manche fallen gar nicht auf, andere entwickeln Augen, Reißzähne und Gesichter, die sie aber verbergen können. Manche Tsukumogami bleiben unerkannt und können weiterhin genutzt werden, andere entwickeln ein eigenes Bewusstsein und Eigenleben. In den meisten Fällen sind sie harmlos und spielen Streiche, doch besonders ehemals wichtige Gegenstände können bösartig werden, wenn sie respektlos behandelt oder zerstört werden. Ein bekanntes Beispiel hierfür ist der Geist eines Regenschirmes (kasa-obake 傘おばけ oder auch karakasa-obake から傘おばけ), der meistens mit einem Bein und einem Auge dargestellt wird. Sein Gegenstück ist der hone karakasa (骨から傘), ein zerstörter Regenschirm, der nun Augen, Reißzähne und Dornen an seinen Speichen ausbildet. Vor Wut über seine Zerstörung stellt er den Menschen nach und beißt und schlägt sie. Weitere Beispiele sind chōchinobake (提灯お化け), der Geist einer Papierlaterne, oder bakezōri (化け草履), der Geist einer Strohsandale. Von diesen lassen sich allerlei lustige Bilder finden, es sind aber auch viele andere Gegenstände als Tsukumogami denkbar.
Um zu vermeiden, dass weggeworfene Gegenstände Rachegefühle entwickeln, gibt es eigene Zeremonien und Rituale. Dem buddhistischen Glauben zufolge erinnern Tsukumogami daran, dass wir das schätzen sollen, was uns gegeben ist. Dem Volksglauben nach sind sie entweder zu vermeiden oder extra herzustellen, um einen treuen Familiendiener zu gewinnen.

Yamauba (山姥)
Zu Deutsch in etwa "Berghexe" oder "weibliches Bergungeheuer", auch yamamba genannt. Die Yamauba ist ein Grundtypus dämonischer Frauengestalten in Japan, deren Geschichte seit dem 8. Jahrhundert erzählt wird. Sie wird häufig mit anderen yōkai wie der yuki onna verwechselt oder ihr werden Fähigkeiten anderer nachgesagt. Tatsächlich gibt es mehrere Yamauba, die in Bergen und Wäldern leben und als ungepflegte, oft hässliche, alte Frauen mit goldweißen Haar erscheinen. Ihr wird nachgesagt Menschen zu fressen oder das Blut ungeborener Kinder zu trinken, weshalb sie als grausames Monster betitelt wird. In anderen Erzählungen lehrt sie jedoch gegen einen Preis Zauberkünste oder bietet Reisenden Schutz und Weissagungen an. Als Zaubermächtige kann sie ihre Gestalt beliebig verändern und erscheint so auch als schöne Frau oder dem Opfer nahestehende Person, die ihre Opfer in die Falle lockt.
Mit der Yamauba wird manchmal auch die bekannte Geschichte um den Helden Kintarō assoziiert, in der sie als Pflegemutter oder gar leibliche Mutter des Jungen auftritt und diesen großzieht. Deshalb wird die Yamauba heute auch als Verkörperung der Liebe oder Symbolfigur für die Harmonie mit der Natur dargestellt. In Japan gibt es sogar eine Moderichtung namens yamamba, in der die Mädchen ihre Haare blond färben und sich bräunen und stark schminken (eine extreme Form des ganguro ガングロ).
In der shintōistischen Mythologie ist die yama-uba die Gottheit der Jagd und des Waldes.